Urlaub in der Ausbildung: was dir zusteht

Urlaub in der Ausbildung: Anspruch, Regeln und Antrag

Urlaub in der Ausbildung ist für viele Azubis überraschend kompliziert — nicht, weil die Regeln schwer wären, sondern weil niemand sie einem erklärt. Wie viele Tage stehen dir überhaupt zu? Zählt ein Berufsschultag als Urlaubstag? Und wer muss den Antrag eigentlich unterschreiben? Dieser Artikel beantwortet die Fragen der Reihe nach, mit konkreten Zahlen dort, wo das Gesetz welche nennt — und mit dem Teil, den fast alle vergessen: was in der Urlaubswoche ins Berichtsheft gehört.

Wie viele Urlaubstage stehen dir in der Ausbildung zu?

Beim Urlaub in der Ausbildung entscheidet zuerst dein Alter zu Beginn des Kalenderjahres. Das ist der Punkt, an dem sich die meisten verrechnen: Maßgeblich ist nicht, wie alt du im Sommer bist, sondern wie alt du am 1. Januar warst.

Bist du zu Jahresbeginn noch minderjährig, greift das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG). Es staffelt den Mindesturlaub nach Alter — in Werktagen, also inklusive Samstag:

Alter am 1. Januar Mindesturlaub (Werktage) entspricht bei 5-Tage-Woche ca.
noch nicht 16 30 Werktage 25 Arbeitstage
noch nicht 17 27 Werktage 23 Arbeitstage
noch nicht 18 25 Werktage 21 Arbeitstage

Bist du zu Jahresbeginn bereits volljährig, gilt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) mit einem gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen — bei einer klassischen Fünf-Tage-Woche sind das 20 Arbeitstage.

Wichtig: Das sind Mindestwerte. Sehr viele Ausbildungsverträge und Tarifverträge liegen darüber, oft bei 26 bis 30 Arbeitstagen. Der Blick in deinen Ausbildungsvertrag ist deshalb kein Formalismus, sondern die eigentliche Antwort auf die Frage „wie viel Urlaub habe ich?”. Was dort steht, gilt — solange es nicht unter dem gesetzlichen Minimum liegt.

Was im ersten Ausbildungsjahr gilt

Startest du mitten im Jahr, bekommst du den Urlaub in der Regel anteilig: pro vollem Beschäftigungsmonat rund ein Zwölftel des Jahresanspruchs. Wer im August anfängt, hat also nicht sofort den vollen Jahresurlaub auf dem Konto. Wie das in deinem Betrieb konkret gerechnet wird, klärst du am besten in den ersten Wochen — zusammen mit den anderen organisatorischen Dingen aus unserem Einstieg Berichtsheft im ersten Lehrjahr.

Urlaub und Berufsschule: Darf man an Schultagen frei nehmen?

Das ist die häufigste Streitfrage — und die Antwort ist unangenehm klar: Urlaub ist grundsätzlich in der unterrichtsfreien Zeit zu nehmen. Deine Berufsschule ist Teil deiner Ausbildung, kein optionaler Termin. Ein Urlaubstag, der auf einen Berufsschultag fällt, ist deshalb im Normalfall nicht vorgesehen.

Praktisch heißt das:

  • Schulferien sind deine Urlaubszeit. In den meisten Betrieben wird der Azubi-Urlaub genau dorthin gelegt.
  • Blockunterricht blockiert. Wer Blockphasen hat, plant den Urlaub um die Blöcke herum.
  • Einzelne Ausnahmen sind Absprachesache. Manche Betriebe genehmigen in begründeten Fällen einen Urlaubstag an einem Schultag — dann brauchst du zusätzlich eine Freistellung der Schule. Verlass dich nicht darauf, frag vorher.

Fällt ein Schultag in eine genehmigte Urlaubswoche, wird er dir üblicherweise trotzdem als Urlaubstag angerechnet. Rechne also nicht damit, dass du „nebenbei” Tage sparst.

Wenn du wissen willst, wann du in der Berufsschule tatsächlich fehlen darfst und wann nicht, lohnt sich der Blick in unseren Artikel zum Anspruch auf Hitzefrei in der Berufsschule — dort steht dieselbe Grundlogik am konkreten Beispiel.

So beantragst du deinen Urlaub richtig

Ein Urlaubsantrag ist schnell erledigt, wenn du die Reihenfolge kennst:

  1. Termin früh anmelden. Je eher, desto größer die Chance auf den Wunschzeitraum — gerade in kleinen Teams.
  2. Schriftlich beantragen. Zettel, Formular oder Mail. Mündliche Zusagen zwischen Tür und Angel sind später schwer zu belegen.
  3. Genehmigung abwarten. Der Antrag allein ist kein Urlaub. Erst die Freigabe durch deinen Ausbilder oder die Personalabteilung macht ihn verbindlich.
  4. Berufsschultermine prüfen. Liegt ein Schultag im Zeitraum, sprich es aktiv an, bevor jemand anders es merkt.
  5. Bestätigung aufheben. Eine Mail im Ordner beendet jede spätere Diskussion.

Ein Beispiel, das reicht vollkommen:

„Hallo [Name], ich würde gern vom 04.08. bis 15.08. Urlaub nehmen (10 Arbeitstage). In dem Zeitraum ist Schulferienzeit, es fällt kein Berufsschultag aus. Kannst du mir das bestätigen? Danke!”

Verbindliche Auskünfte zu deinem konkreten Fall — etwa bei Streit über die Anrechnung oder bei ungewöhnlichen Vertragsklauseln — bekommst du kostenlos bei der Ausbildungsberatung deiner Kammer. Die Anlaufstellen findest du über die IHK und die Handwerkskammern; Grundlagen zum Ausbildungsverhältnis erklärt außerdem das BIBB.

Was kommt bei Urlaub ins Berichtsheft?

Auch Urlaubswochen werden im Ausbildungsnachweis dokumentiert — sie verschwinden nicht einfach. Üblich ist ein kurzer, sachlicher Vermerk:

  • „Urlaub” in der Tageszeile
  • 0 Stunden in der Stundenspalte
  • bei einer ganzen Woche: eine Zeile pro Tag statt eines Worts quer über die Seite

So sieht ein sauberer Eintrag aus:

Montag, 04.08. — Urlaub — 0 Std.

Was nicht hineingehört: wo du warst, was du gemacht hast, Reiseziele. Das Berichtsheft ist ein Ausbildungsnachweis, kein Reisetagebuch. Wie ein guter Eintrag generell aufgebaut ist, zeigen die ausgefüllten Musterseiten für die einzelnen Ausbildungsberufe.

Dieselbe Logik gilt übrigens für Fehlzeiten aus anderen Gründen — wie du Krankheitstage sauber dokumentierst und wen du wann informieren musst, steht in Krank in der Ausbildung.

Häufige Fehler beim Urlaub in der Ausbildung

  1. Das falsche Alter zugrunde legen. Entscheidend ist dein Alter am 1. Januar, nicht am Urlaubstag.
  2. Werktage mit Arbeitstagen verwechseln. 25 Werktage sind bei einer Fünf-Tage-Woche rund 21 Arbeitstage — nicht 25 freie Tage.
  3. Nur ins Gesetz schauen. Dein Vertrag kann deutlich mehr Urlaub vorsehen. Zuerst dort nachlesen.
  4. Ohne Genehmigung buchen. Der teuerste Fehler überhaupt: Flug gebucht, Antrag abgelehnt.
  5. Berufsschultage übersehen. Wer den Schulkalender nicht danebenlegt, plant sich in ein Problem hinein.
  6. Die Urlaubswoche im Berichtsheft leer lassen. Lücken fallen bei der Kontrolle sofort auf und müssen später rekonstruiert werden.

Nach dem Urlaub: Berichtsheft in zehn Minuten nachziehen

Nach zwei Wochen frei ist das Berichtsheft selten das Erste, woran man denkt — und genau so entstehen die Lücken, die im dritten Lehrjahr wehtun. Wenn du nach dem Urlaub wieder einsteigst, hilft dir der KI-Berichtsheft-Generator von Berichtsheftig: Du gibst Beruf und Tätigkeiten ein und bekommst daraus einen formulierten Bericht als PDF. Die Urlaubstage trägst du einfach als Fehlzeiten daneben ein. Für längere Berichte findest du unter Fachberichte Beispiele nach Beruf und Lehrjahr.

Häufige Fragen zum Urlaub in der Ausbildung

Wie viele Urlaubstage habe ich als volljähriger Azubi?
Gesetzlich mindestens 24 Werktage im Jahr, bei einer Fünf-Tage-Woche also rund 20 Arbeitstage. Dein Ausbildungs- oder Tarifvertrag kann mehr vorsehen — und tut das häufig.

Zählt ein Berufsschultag als Urlaubstag?
Wenn er in einen genehmigten Urlaubszeitraum fällt, wird er in der Regel als Urlaubstag angerechnet. Urlaub gezielt auf einzelne Schultage zu legen, ist dagegen normalerweise nicht vorgesehen.

Kann mein Betrieb mir Urlaub verweigern?
Der Betrieb kann Wünsche aus betrieblichen Gründen ablehnen oder zeitlich verschieben, aber deinen Jahresanspruch nicht streichen. Bei anhaltendem Streit hilft die Ausbildungsberatung deiner Kammer.

Was passiert mit Resturlaub am Jahresende?
Resturlaub muss grundsätzlich im laufenden Kalenderjahr genommen werden. Eine Übertragung ins nächste Jahr ist nur in bestimmten Fällen möglich und meist zeitlich befristet — klär das rechtzeitig mit deinem Betrieb.

Werde ich krank im Urlaub, sind die Tage weg?
Nein. Wer im Urlaub krank wird und das ärztlich nachweist, bekommt die betroffenen Tage in der Regel wieder gutgeschrieben. Melde dich dafür genauso wie an einem normalen Arbeitstag.

Der wichtigste Tipp zum Schluss

Nimm dir einmal zehn Minuten und klär drei Dinge, bevor du das nächste Mal Urlaub planst: Wie viele Tage stehen laut Vertrag drin, wann sind deine Berufsschulzeiten, und wer genehmigt bei euch den Antrag? Mit diesen drei Antworten ist die Urlaubsplanung eine Formsache statt einer Diskussion.

Setz dir ein Lesezeichen auf diese Seite — zusammen mit den Berichtsheft-Vorlagen und dem Berichtsheft mit KI hast du dann alles beisammen, wenn der Urlaub vorbei ist und das Berichtsheft dran ist.

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